Donnerstag, Juni 21, 2007

"Die, in der ich meinen letzten Arbeitstag habe"

Tja, liebe Freunde von Türkisch für Anfänger, ich war ganz gemein und hab mir Lenas Folgentitel geklaut...

Heute war mein letzter Arbeitstag. Das letzte Mal der ganz normale Ablauf, zum letzten Mal Sööööma (Mittagessen) und auch das allerletzte Mal das ich morgens durch die Tür komme und mir "Guten Morrrgen" (auf Deutsch) entgegenschallt. Und ich weiss, dass sie es alle auch wissen. Als mich Kirkke, ein Mädchen aus meiner Gruppe, 10 Minuten dauerumarmt hat, sind mir fast die Tränen in die Augen gestiegen. Seltsam, wie sehr man sich in neun Monaten aneinander gewöhnt. Ich hätte noch soviele Ideen, soviel Pläne und Motivation und manchmal denke ich, dass ich sogar gerade in den letzten Monaten am aktivsten war. Auch mit der Sprache geht es so gut wie noch nie. Meine arme Gruppe, im September werden sie wieder die Augen verdrehen müssen, wenn da wieder ein deutsches Mädchen ist, das kein Wort Estnisch spricht.. Oder sollte ich besser sagen, das arme Mädchen.. ?
Heute habe ich zum allerersten Mal Villu in Karoona, einem billardähnlichen Spiel, besiegt und Signe hat mir gesagt, dass wir Freunde sind.. Und wir haben zweigitarrig "Zombie" gespielt und ich hätte bei "Sinine Vagun" auch beinahe geheult.. Ich glaube, ich muss mir für unsere Sommerparty heute abend Taschentücher einpacken. Habe ein bisschen Angst davor. Aber irgendwie geht alles weiter und mit jeder Veränderung wird man stärker. Oder?

Liebe Grüße, eure Heulboje.

Samstag, Juni 16, 2007

Von Tagen, die nicht enden

Heute Nacht ist die Sonne nicht untergegangen. Das heisst doch schon, aber dunkel wurde der Himmel trotzdem nicht. Die Nächte sind jetzt so hell, dass man keine Mühe hat das Gesicht des Anderen in der lichten Dämmerung zu erkennen. Es ist ein ganz seltsames Leuchten, das den nebelüberzogenen Viljandisee in ein blau-weißes Licht taucht und sich über die auferhitzte Partyatmosphäre des Bungalows am Strand ergiesst...
Wenn wir jetzt an den Wochenenden ins Bett gehen ist es schon lange wieder richtig hell. Anscheinend werden jetzt unsere überflüssigen Schlafreserven aus dem dunklen Winter aufgebraucht und dafür jetzt einfach weniger geschlafen.

Meine letzte Arbeitswoche. Ich verdränge den Gedanken an Freitag und stöhne nichtsdestotrotz, wenn ich, wie heute, den ganzen Tag alleine mit meiner Gruppe bin. Das kann nämlich trotz hohem Spassfaktor und sich-wie-der-Boss-fühlen ganz schön anstrengend sein. Wir haben aus Salzteig Türschilder gemacht und heute bemalt, das war sehr schön. Und ich habe es geschafft Danek, den größten Träumer der Gruppe, dazu zu bringen, dass er die Hälfte der Damesteine schwarz anmalt.

Das einzige, worauf ich mich freue, wenn ich ab nächsten Montag 1 1/2 Monate Ferien habe, ist das Ausschlafen. Muss ja nicht bis 11 Uhr sein, aber 8 ist mittlerweile Folter geworden.. Bin ich verwöhnt..? Heute morgen war's besonders grausam, als Kathi, ihres Zeichens Freiwillige in Tapa, und ich von einem anonymen Ruhestörer aus Väike-Maarja brutal aus dem Schlaf gerissen worden. Und ein Morgen steht mir noch bevor.. Abi*....

* estn.: Hilfe (vorzustellen als Körperformation der Geschwestern Brachmann... muhaha...)

Montag, Juni 11, 2007

Juuni

Geräuschkulisse: Closer - Travis

Schon wieder eine Woche beinahe rum und die Zeit rennt und rennt und rennt...

Den Stalker bin ich - nach dem Showdown mit den Steinen an meinem Fenster - los, als ich daraufhin (vielleicht doch ein bisschen spät...) meiner Chefin davon erzählt habe und die ihm dann mit der Polizei gedroht hat. Seitdem hasst er mich zwar immer noch nicht, aber er taucht nicht mehr einfach so vor meinem Haus auf und ruft auch nicht mehr an. Phuuu...

Und ich lerne das allein Sein wieder schätzen. Irgendwie ist es seltsam nachdem man eine Woche mit seinen Schwestern auf engstem Raum gewohnt hat, plötzlich wieder allein zu sein. Aber es hat alles seine guten und schlechten Seiten. Ich kann endlich wieder mein Zeug auf mein Sofa pfeffern und niemand verlangt sauberes Geschirr, aber dafür ist auch niemand abends im Bett zum Quatschen da. Und morgen werde ich wohl allein zum Schwimmen gehen. Aber vielleicht auch nicht...
Nee, eigentlich war die Zeit mit meiner Familie echt schön und jaaaa, auch anstrengend, aber eigentlich vor allem schön :) ... Dankeschöööön.

Letztes Wochenende waren in Viljandi Hansatage. Hansatage? werden sich die Menschen fragen, die eventuell einen Blick auf eine Estlandkarte geworfen und gesehen haben, dass Viljandi ziemlich in der Mitte liegt. Aber jaaa, Viljandi hat einen recht großen See und der war früher wieauchimmer mit dem Meer verbunden und deshalb feiert diese kleine Hansestadt die Vergangenheit mit einem großen Spektakel in Form von Konzerten, Mittelaltermärkten und Menschen, die in lustigen Kostümen herumlaufen. So wie Moos und ich :). Wir hatten die Ehre und das Vergnügen, dass uns Leute aus unserem Center Kostüme genäht hatten, in denen wir aussahen wie Henker und Bäckersfrau. Sehr amüsant und sehr lustig. Besonders für alle Außenstehenden. Und das Tollste ist: wir dürfen unsere Kostüme behalten! Sooo coool...
Wir durften sogar in der Parade mitlaufen und wie die Queen winken.

Soo, und jetzt ist aber erstmal Sommer. Schön warm und liebe Menschen, die um mich sind. Und einer wagt es sogar seinen Abgang in zwei Wochen anzukündigen. Sehr betrüblich.. Naja, nächstes Wochenende wird erst einmal gefeiert. Bis bald!

Mittwoch, Juni 06, 2007

Wie es ist verfolgt zu werden

Geräuschkulisse: I will follow you into the dark - Death Cab For Cutie

Eigentlich sollte ich ja schreiben, wie wunderbar schön und wie unglaublich nervig es sein kann, nach beinahe 9 Monaten Pause wieder auf engstem Raum mit der Familie zusammen zu sein, dass es tatsächlich möglich ist in meinem kleines Chaoszimmer eine Woche lang zu dritt zu leben und dass endlich der Sommer da ist.

Aber ich will euch lieber von meiner tollen Erfahrung erzählen, wie es ist einen Stalker zu haben. Ganz ohne Scheiß. Und wer jetzt lacht, den töte ich. Mir ist der Witz nämlich in den nun beinahe drei Wochen abhanden gekommen.
Seit vielleicht vier Wochen haben wir in meiner Gruppe einen neuen Typen. Der ist ein bisschen seltsam, ein wirklich guter Maler und - in mich verliebt. Und nicht 'verliebt', sondern fanatisch, besessen, unlogisch und verdammt hartnäckig verschossen. Oh mann, ich klinge ganz schön hart, nicht? Aber wenn ich an letzte Nacht denke, ist mein schlechtes Gewissen weg und zurück bleibt nur noch ein ekliges Gefühl in der Magengrube. Angefangen hat alles eigentlich recht harmlos. Er hat mir ständig während der Arbeit Blumen geschenkt, hat mir tausend Dinge erzählt, naja, so halt... Dann hat er begonnen mir nach der Arbeit zu folgen, wollte, dass ich zu ihm nach Hause komme, dass wir uns treffen und mich malen. Das wurde mir ein bisschen zu viel und ich sagte auf alles erstmal nein und er fragte 'warum warum??' und ließ sich nicht abschütteln. Und darauf... - machte ich den größten Fehler von allen. Er versprach zu gehen, wenn ich ihm meine Handynummer gäbe. Nun gut, den Rest könnt ihr euch ja denken. Bin schon ein Schaf.
Seit diesem Tag jedenfalls habe ich, sobald mein Handy an ist, mindestens 10 Anrufe täglich, Dutzende Sms und das von morgen ab 7 bis nachts um halb 2. Nee, und lachen kann ich nicht mehr. Gestern ist er meinen Schwestern und mir bis zum Badesee gefolgt und hat uns von der nächst gelegenen Bank angestarrt. Und letzte Nacht lagen wir drei mit klopfenden Herzen und angehaltenem Atem in unseren Betten, als wir die Steine an mein Fenster prasseln und Schritte auf dem Metallgerüst davor hörten.
Nachdem ich vergeblich versucht habe mit ihm zu reden, habe ich es heute meiner Chefin erzählt und sie versprach ihn anzurufen. Aber gerade habe ich wieder einen Anruf und eine Sms bekommen und Zina, meine Nachbarin, meint, dass er den ganzen Nachmittag besoffen vor unserm Haus rumgehangen sei. Ich habe ein bisschen Angst vor der Nacht. Und wenig Lust ihm morgen in meiner Arbeit zu begegnen. Doch es ist gut jetzt nicht allein zu sein. Glück im... naaa?

Ansonsten ist es, wie gesagt, sehr schön gerade. Der estnische Sommer ist da, wir schwimmen jeden Tag in den Seen hier und morgen laufen Moos und ich im Rahmen der Hansatage, die über das Wochenende sind, in mittelalterlichen Kutten rum. Cooool... :) Ich weiss schon, wer da neidisch ist. Und das Ende rückt merklich näher. Ich will nicht.

Aber die letzte Woche war wirklich schön. Außer Saaremaa, Lahemaa und Soomaa und natürlich Tallinn, haben wir nämlich.... dumdumdum....

PLACEBO gesehen!!!! Ja, wirklich! Live und in Farbe und in Tallinn. Und unglaublich toll. ... Viel zu kurz zwar und zu teuer, aber einfach wunderbar.. Also ich mag die Platten ja, aber live is nich damit vergleichbar... woah.. Gesehn übrigens zusammen mit Ariane und Moos. Und dem Estonian Placebo Fanclub mit Flügeln auf dem Rücken..

mäh mäh