Soo, da bin ich also wieder. Weder verschleppt, noch ausgeraubt, wurden nicht erpresst, übers Ohr gehauen oder vergewaltigt, kein Geldautomat hat unser Geld oder unsere Karte gefressen und mein Reisepass mit dem sensationell hässlichen Passbild liegt wohlbehalten auf meinem Schreibtisch.
Aber ok, ganz so harmlos war es dann auch wieder nicht. Es fing ja erstmal damit an, dass keiner von uns Russisch kann. Und so saßen wir dann im 23.30 Uhr-Bus von Tartu nach St. Petersburg und mussten feststellen, dass außer uns wohl niemand anders nicht-russisches im Bus saß, einschließlich dem Busfahrer selbst. Dem war das natürlich auch völlig wurscht, er grunzte seinen Ansagen auf Russisch durch und wir konnten nichts anderes tun, als hilflos und verpeilt, das zu tun, was alle taten. Es tauchte dann aber doch noch eine Frau auf, die Englisch konnte und ließ uns brav russische Migrationspapiere ausfüllen und tausendmal den misstrauischen Augen der Grenzbeamten unsere Pässe hinhalten. Um 7 bzw. 8 Uhr morgens kamen wir gerädert an und stolperten in ein riesiges Plattenbautenviertel. Graue Wände wohin man sich drehte und darüber ein strahlend blauer Morgenhimmel. Der Beginn eines laaangen Tages...
Ich weiss nicht, wieviele Kilometer wir in diesen vier Tagen zurück gelegt haben, ich weiss nur, dass es sehr, sehr viele waren. Wir waren eigentlich immer am Laufen. Aber wir haben auch eine ganze Menge dafür gesehen. Nicht nur die riesige Herimtage, auch Peterhof, sämtliche Kirchen der Innenstadt und die Ufersilhouette von St. Peterburg von einem Boot auf dem Neva aus. Und wir durften auch mit den Kuriositäten des russischen Alltags Bekanntschaft machen. Da wären die Tatsache, dass in St. Petersburg eine Wechselstube von Miliz von innen und außen überwacht wird, beide schwer bewaffnet und grimmigen Gesichtern, allerdings ohne Englisch.. Wir fühlten uns wie im Gefängnis. Außerdem muss man als Tagträumer, wie ich es bin, auf den russischen Straßen um sein Leben bangen, denn die Autos halten hier nicht nur nicht für Fußgänger, ooooh nein, sie halten auch nich an Ampeln oder Zebrastreifen. Ich bin knapp dem Tod entgangen, mehrmals.. :)
Naja, dagegen wirken die Autokolonne, die hinter einem heulenden Polizeiwagen herfahren um schneller zu sein oder die Läden voller Cd-Raubkopien eher harmlos.
Ach, ich könnte noch soviel erzählen. Verrückte Stadt. Aber Russland hat mich.
Ich komme wieder.

:)
Mac Do in kyrilischen Buchstaben

Die Herimtage, das größte Museum der Welt.
Ich war natürlich dort und mit mir Monet, Courbet, Picasso, Renoir, Matisse...
Und wir hatten Glück. Es war internationaler Museumstag und somit freier Eintritt. Yeah!

Sandra, die, für alle die sie nicht kennen, auch aus Coburg kommt und in St. Petersburg EVS macht, hat uns nach Peterhof geführt und uns Horrorgeschichten über Papierkram in Russland erzählt. Sehr nett :)

Aleksej, unser russischer Hospitalitymensch, Freund deutscher Gothic-Mucke und russischer Tiefkühlpizza und nicht-Freund unseres estnischen Heimatlandes, Camille und Sziliva am Ufer des Neva. Ach ja, und ein halbnacker Opa, der baden geht.

Schlafloses St. Petersburg

STOP