Dienstag, Januar 30, 2007

Wir und Saaremaa und, ach ja, der Winter

Der Winter ist da. Er ist in meinem Zimmer, wenn ich morgens aufstehe und die Kälte durch die Fensterscheiben spüre, er ist auf meinem Weg zur Arbeit, wo die Sonne über glitzerndem Schnee aufgeht und es unter meinen Schuhen so schön knirscht und er war mit uns auf Saaremaa, wo wir vier Tage Abenteuer erlebt haben.
Geplant war nicht viel für diesen Trip, außer dass wir in einem Holzhaus im Wald schlafen wollten und durch die Natur wandern. Gesagt, getan. Der Wintereinbruch kam genau zwei Tage vor unserm Start. Plötzlich war die Welt weiß und kalt. Sehr kalt. Aber wir sind ja hart im Nehmen. Also sind wir Donnerstag morgen in drei Teams zum Trampen gestartet (Ana-Lena und Anna-Lena (Germany), Camille und Christian (Germany), Charles und ich). Eigentlich hatten wir geplant, uns zu unterschiedlichen Zeiten an die Straße zu stellen, eben damit wir uns nicht in die Quere kommen, aber es hat wohl nicht sollen sein, und so trafen wir schließlich alle sechs doch wieder zusammen. Zum Glück mussten wir aber nicht lange warten und ein kleiner Bus hat doch tatsächlich uns alle sechs eingepackt und beinahe die Hälfte der Strecke mitgenommen :). Und auch der Rest des Weges war kein Problem, die Fährfahrt mit eisblauem Himmel und Sonne über dem Meer war schön und gegen Mittag waren wir in Kuressaare, der größten Stadt der Insel. Hier haben wir einen intressanten Nachmittag verbracht, die Wasserburg von Außen und von Innen bestaunt und einen bunten, bewegenden Sonnenuntergang erlebt. So einen, wie ihn der kleine Prinz so liebt. Wisst ihr noch?
Am Abend gings für uns dann in die Wildnis. Mit dem Bus sind wir fast bis ans Ende der Insel gefahren und nachdem wir den Busfahrer und die Restbusgäste überzeugt hatten, dass wir wirklich allein in unserer Hütte im Wald klar kommen, wurden wir aus dem Bus entlassen. Da standen wir nun, mit unsern Rucksäcken. Auf einer Straße, ich habe noch keine einsamere gesehen, um uns herum nur Bäume, in der Ferne heulte ein Hund und der Halbmond warf unsere langen Schatten auf die schneebedeckte Fahrbahn. Kein Licht, kein Weg, kein Plan. Aber dafür eine sehr nette Bushaltestelle, an der man uns rausgelassen hatte. Stellt euch vor, mitten in der Wildnis, ein winziges Häuschen, mit Glasscheiben in den Fenstern, Gardinen davor, Spiegel und eine Bank. Und die leeren Lampenschirme deuteten darauf hin, dass es sogar einmal Strom gegeben haben musste. Unser Notfallquartier (ohne Feuerstelle allerdings) hatten wir schon mal.
Glücklicherweise haben unsere starken Männer nach 1h Suchen und abgefrorenen Füßen unser richtiges Ziel gefunden und eine weitere Stunde später brannte in dem kleinen Kamin unseres bescheidenen Häuschens ein warmes, gemütliches Feuer, das das Eis der Fensterscheiben - von beiden Seiten gefroren - schmelzen ließ. Die Hütte war total urig, winzig und unheimlich gemütlich. Sie bestand eigentlich nur aus einem einzigen Raum mit einer Feuerstelle in einem Eck und Bänken und Tisch im anderen. Die mussten wir übrigens zum Schlafen raustragen, und auch so war nur soviel Platz, dass eine Person auf der einen Bank schlafen musste und die fünf anderen auf vier Isomatten auf dem Boden. Superkuschelig :). Allerdings auch superkalt, denn wer hat schon Lust, nachts aufzustehen und Holz nachzulegen, wenn es doch im Schlafsack viel angenehmer ist? - Zu Essen gab es Würstchen überm Feuer und zu Trinken Tee aus Schnee. Wer aufs Klo wollte, der musste sich durch mittlerweile 30cm Schnee hinter die Hütte zum Plumpsklo durchkämpfen.
An den Tagen machten wir Wanderungen durch den Wald und Camille durch den Matsch, verbrachten einen gemütlichen Nachmittag vorm Feuer, sahen dem Schneesturm durch die Fensterscheiben zu und dachten über dies und das.
Die dritte Nacht durften wir dann in Kuressaare in einem Kinderheim schlafen (das lief über den Arbeitsplatz von den andern; nicht dass ihr denkt, wir hätten um Asyl gebettelt :)), wo wir mit Gymnastikgeräten und Videokamera allerlei Unsinn veranstaltet haben. War sehr lustig.
Auf unserm Rückweg (diesmal aufgrund äußerlicher nicht mehr vorhandener Reinheit kein Trampen) haben wir noch einen Abstecher nach Valjala gemacht, wo wir eine Burg anschauen wollten. Die Burg existierte zwar nicht, dafür aber eine Kirche, die die älteste in Estland ist (oder so...) und ein Kaufladen. Und das wars. Ehrlich. Kaffiger gehts echt nicht. Die Hauptattraktion in diesem Dorf waren wir selbst mit unsern Traveller-Rucksäcken und dem leicht verpeilten Ausdruck in unsern Gesichtern. Aber war nicht schlimm, so waren wir eben wieder in der Natur mit noch mehr Schnee, übrigens, mittlerweile musste wir uns durch beinahe einen Meter Schnee kämpfen. Aber es war herrlich still auf dem Hügel, wo wir Picknick gemacht haben und die Sonne auf unsern Gesichtern hat uns sogar ein bisschen gewärmt. Später wurden wir noch von netten Valjalabewohnern ins Tagescenter des Dorfes eingeladen (man hatte wohl Mitleid mit uns), wo wir Tee kochen und uns ein bisschen aufwärmen durften. Echt, total nett. Ich weiß nicht, ob uns das in Deutschland passiert wäre. Naja, einige Schneeballschlachten später saßen wir dann in unserm Bus wieder Richtung Viljandi, kaputt und müde, aber am Leben und nicht halbtot, wie sie uns alle prophezeiten, die unsere Idee für Wahnwitz hielten. Satz der Reise war übrigens: Scheiße, ist das kalt! Und das müsst ihr euch noch mit französischem Akzent vorstellen. :)

Mittwoch, Januar 24, 2007

Ein Tag Vinger

Und zwar der gestrige. Nichts aufregendes, aber ein normaler, schöner Tag. Das tolle Spiel, das ihr da seht, ist ein "Modern Domino", wo ein batterienbetriebenes Auto :) die Dominosteine verteilt. Super Spiel. Der am liebsten damit spielt, bin ich selbst. Aber zum Glück finde ich auch immer Menschen, die mitspielen. Das Buch, das Villu in der Hand hat, ist übrigens ein Wörterbuch. Unser Lieblingsbuch.




Sonntag, Januar 21, 2007

Schneegestöber

Auf meinem Heimweg heute nacht. Wie wunder-wunder-wunderbar. Morgen wollen wir meinen Schlitten einweihen. Ganz viel Gäste dieses Wochenende, ganz viel Pläne und Ideen und Moos... Yeah, der Zuwachs aus Holland ist hier und es ist sehr nett alles. Und Schnee. Schnee. Ich kann es gar nicht glauben.

Dienstag, Januar 16, 2007

Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht vorbei

Irgendwie ist gerade alles nicht so toll. Dabei weiß ich gar nicht recht warum. Oder naja, ein bisschen schon, aber dieses bisschen will ich lieber vergessen.
Manchmal habe ich das Gefühl, überhaupt nicht mehr zu wissen, wer ich bin, weil ich denke, dass ich hier irgendwie anders geworden bin als ich früher war. Gleichzeitig erschrickt mich dieser Gedanke dann, denn kann das überhaupt sein? Es sind doch erst vier Monate. Wer weiß, vielleicht irre ich mich auch. Dann ist es, als ob ich mit zwei Füßen in zwei Türen stehe, jeder Fuß in einer. Kann mir vielleicht jemand sagen, wohin ich gehen soll? Denn obwohl sich alles scheinbar gedreht hat, trete ich ab und zu wieder auf der gleichen Stelle und mache die gleichen, alten, dummen Fehler. - Aber was soll's? Ich bin ja noch jung und vielleicht gelingt es mir doch irgendwann zu lernen. Vielleicht ist es ja doch nur ein ganz kleiner Schritt. Die Oper ist nicht vorbei.

Donnerstag, Januar 11, 2007

Suche Land zwecks Auswanderung

Bilder von einer Woche, die um einiges besser war als diese. Ich verlange nun wirklich nicht mehr viel, weder Schnee noch Sonne, alles was ich will (und das ist doch echt nicht zuviel) ist ein Ende des Regens, dieses schrecklichen, trüben, endlosen Regens. Er macht uns alle krank. Im Moment möchte ich wirklich am liebsten auswandern. Wohin, wo's schön warm und trocken ist. Vielleicht Barcelona...?
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Wieder auf dem Rückweg, Barbara

Kurzer Abstecher an die lettische Küste. Dünenspaziergang.


Unglaublich, aber wahr. Nur 600km südlich von uns ist es um 4Uhr nicht stockdunkel.


Meine Lieblingsteil von Vilnius, das rebellische Künstlerviertel Uzupio. Sogar mit republikseigener Verfassung.


Kunst. Entdeckt in einem Hinterhof in Uzupio.


Der Himmel über Vilnius. Die Stadt der Kirchen.

Sonntag, Januar 07, 2007

2007. welcome

Huuiiii, da bin ich wieder. Frisch aus Litauen eingefahren. Müde, kaputt, aber voller neuer Eindrücke, Erfahrungen, Bekanntschaften und Bilder. Ich bereue kein Stück gefahren zu sein, auch wenn bei uns zwei Megachaoten nicht immer alles glatt lief. Und Sylvester... Aber mehr will ich morgen davon erzählen.

Statt dessen möchte ich mich an dieser Stelle ganz ganz dolle bedanken bei allen Lieben - oh mann, ihr seid so unglaublich toll, ich kann's immer noch nicht fassen - , die mir zum Geburtstag und zu Weihnachten Pakete und Karten geschickt haben. Ich hab mich so mega gefreut, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Als ich heute abend total fertig heim kam, standen schon wieder in meinem Zimmer ein Paket und ein Brief, dessen Inhalt mich zum Weinen und zum Lachen gebracht hat. Ein seltsamer Brief von einer Schülerin (anonym :)), die im Unterricht lieber Unsinn schreibt, statt aufzupassen, ein einohriger Van Gogh (ich hab mich soo weggehaun... was es nich alles Beklopptes gibt...), ein Kleeblatt in einem Blumentpf, schnuff-schnuff!... Ihr spinnt echt! Tausend Millionen Dank! Danke auch für Charlie, für die dicken Socken, die super-tollen, bunten Schals, die Kalender und alles andere.